Die Marienburg in Polen

Größte Backsteinburg der Welt

Karte der Deutschordensburgen in den Ostgebieten, Marienburg als MALBORK bezeichnet, Eigene Aufnahme 2022

Die Marienburg wurde ab ca. 1270 von Deutschordensrittern erbaut. Dieser Orden, vollständig „Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem“ genannt, wurde ca. 1225 von Konrad von Masowien zur Verteidigung gegen die heidnischen Prußen (daher auch die spätere Bezeichnung Preussen) nach Polen gerufen. Er versprach ihnen dafür das Kulmer Land und später alle eroberten Gebiete.

Bereits 1309 verlegte der damalige Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen den Hauptsitz des Ordens von Venedig in die Marienburg. Dies führte nun zu einem fortwährenden Ausbau zu einem äußerst repräsentativen Schloß, allerdings mit Verteidigungscharakter. Die Herrschaft des deutschen Ordens dauerte bis 1475. In diesem Jahr zog der polnische König in die Marienburg ein. Wegen ausstehender Soldzahlungen hatte der Orden die Burg an seine Söldner verpfändet und diese verkauften es an den polnischen König.

Alter Zugang zur Burg über nicht mehr vorhandene Brücke, Eigene Aufnahme 2022

Die Marienburg breitet sich auf fast 15 Hektar entlang des Flusses Nogat aus. Baulich können eine Vorburg, das Hochmeisterschloss (Mittelschloss) sowie das Hochschloss (der eigentliche Klosterbereich) unterschieden werden. Schutzpatronin der Burg war die namensgebende Gottesmutter Maria, welche in einer Nische der Marienkirche des Hochschlosses 8m hoch aufragte, zumindest bis 1945. Im 2. Weltkrieg wurde die Anlage schwer beschädigt, aber danach fachgerecht restauriert. Auch die Marienstatue wurde bis 2014 restauriert und 2016 feierlich geweiht. Die wiederaufgebauten Teile der Burg erkennt man an den helleren Ziegeln, was beabsichtigt ist.

Zerstörte Burg 1945, Von Hajotthu, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40790871, Foto eines Plakates

Heutzutage betritt man die Burg von der Vorburg aus.

Torzwinger der Vorburg, Eigene Aufnahme 2022
Wurferker mit Klappläden im Torzwinger, Eigene Aufnahme 2022
Krankenstation mit Dansker (Abortturm), Eigene Aufnahme 2022

Hier, neben dem Mittelschloss befindet sich der über 30m lange „Grosse Rempter“, ein Speisesaal, welcher über eine Fussbodenheizung beheizt werden konnte. Die Decke wird von schlanken Granitsäulen gestützt. Nur einer der Gewölbeschlussteine ist erhalten: er zeigt eine Szene aus dem Leben Jesu, die Flucht aus Ägypten.

Filigranes Kreuzgewölbe im „Grossen Rempter“, Eigene Aufnahme 2022

Anschliessend kommt man nun in den grössten Teil des Mittelschlosses, den Hochmeisterpalast. In einer Nische seiner Schlafkammer, die ebenfalls beheizbar war, versteckt finden wir hier das Privat-WC des Hochmeisters.

Privat-Abort des Hochmeisters, Eigene Aufnahme 2022

Vorbei an der Kapelle des Hochmeisters betreten wir nun den zum Sommerrempter führenden Gang. Hier befand sich ein Brunnen und eine Piscina zur Handwaschung. Unklar ist die Funktion eines Beckens im Boden des Flures. Es diente evtl. zur Fusswaschung.

Piscina und Brunnen im Palastflur, links unten angeschnitten das Bodenbassin, Eigene Aufnahme 2022

Nach einem Knick begeben wir uns nun in den Sommerrempter, den Speisesaal für die warme Jahreszeit. Hier soll 1410 während der Belagerung der Burg durch den polnischen König Władysław II. Jagiełło eine Steinkugel, welche die zentrale Stützsäule des Raumes treffen sollte, diese verfehlt haben und in der Wand eingeschlagen sein. Dort ist sie heute (wieder) zu sehen, nachdem ein Autor Anfang des 20. Jh. sie dort vergeblich suchte.

Fragment der Steinkugel im Sommerrempter, Eigene Aufnahme 2022

An den Sommerrempter schliesst sich der Winterrempter an, welcher wieder beheizbar war, und verlassen den Hochmeisterpalast über die Wohn- und Audienzräume in den Innenhof. In den seitlichen Gebäuden ist ein Shop und eine Ausstellung über Bernstein untergebracht. Hier stehen auch Statuen einiger Hochmeister des Ordens. Über eine Brücke und eine ehemalige Zugbrücke erreichen wir die Toranlage zum Hochschloss.

Brücke zum Tor des Mittelschlosses, Eigene Aufnahme 2022

In diesem Torzwinger führt eine Pforte in die so genannten Terrassen, welche das Hochschloss umgeben. Diese haben eine eigene Aussenmauer zum Graben hin. Hier sind etliche Steinkugeln für Kanonen und Bliden (Wurfwaffen) zu sehen. Teile der Terrassen wurden auch als Friedhof verwendet.

Steinkugeln im Bereich der Terrassen, Eigene Aufnahme 2022

Die Toranlage zum Hochschloss war mit Zugbrücken gesichert, je eine für die Fussgängerpforte und für das Tor. Gegengewichte ermöglichten die Bedienung mit nur 7 Menschen. Das Tor war zusätzlich mit einem grossen Wurferker (Maschikuli) gesichert, welcher es ermöglichte, von oben auf eingedrungene Feinde vor dem Tor einzuwirken.

Maschikuli über dem Tor des Hochschlosses, Eigene Aufnahme 2022. Beachte auch das vermauerte Tor darunter.

Nun betreten wir das Hochschloss, in welchem die Ordensritter sich aufhielten. Es ist wie ein Kloster angelegt, ein Kreuzgang umläuft den Innenhof, in dessen Mitte befindet sich ein Brunnenhaus aus dem 19. Jh. Das Dach des Brunnenhauses wird von einem Pelikan geziert, der mit seinem eigenen Blut seine Jungen ernährt: eine Allegorie auf Jesus Christus.

Pelikan auf dem Dach des Brunnenhauses, Eigene Aufnahme 2022
Ausgestellter Mahlstein der Burgmühle, Eigene Aufnahme 2022

Weiter geht es nun durch die Konventsküche, welche sehr schön restauriert wurde:

Konventsküche, Eigene Aufnahme 2022
Herd mit Kaminhaube, Eigene Aufnahme 2022

Zum Abschluss begeben wir uns noch in den Kapitelsaal, Nachdem wir die so genannte „Goldene Pforte“, den Eingang zur Marienkapelle des Hochschlosses passiert haben. Diese konnten wir leider nicht besichtigen.

Goldene Pforte, Eigene Aufnahme 2022
Kapitelsaal, Wandmalereien, Eigene Aufnahme 2022

Ein kleines Relief, welches einen gequält dreinschauenden kleinen Teufel darstellt, weist den Weg zum Dansker, einem Abortturm. Der kleine Bart des Teufels zeigt in Richtung des Abortes, in diesem Fall nach links.

Teufelchen als WC-Wegweiser, Eigene Aufnahme 2022
Toilettenkabine im Dansker, Eigene Aufnahme 2022

Leider war unsere Besuchszeit begrenzt, und wir haben viele Räume der Marienburg nicht besichtigen können. Sollten sie einmal nach Polen in die Umgebung von Danzig kommen, machen sie doch selbst einen Besuch im UNESCO-WELTERBE Marienburg…. Es lohnt sich….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.