Archiv für den Monat: Februar 2019

Schartenformen

Einfachste Schartenform ist die nach ihrer Form benannte Schlitzscharte. Sie wurde für Bogen- und Armbrustschützen benutzt. Zu beachten ist die Schießkammer, welche dem Schützen eine Erweiterung seines Schußfeldes durch Verschwenken der Waffe erlaubt. Fehlt diese Schießkammer, so ist die vermeintliche Scharte nur ein Lichtschlitz (Beaumaris Castle, Wales, UK).

Eine Weiterentwicklung stellt diese, weitverbreitete Schartenform dar. Ein schmaler Sehschlitz wurde mit einer einem Schlüsselloch ähnlichen Erweiterung versehen. Diese Art von Scharten findet sich sehr oft ab dem 15. Jahrhundert, denn hauptsächlich diente diese Schartenart der Verteidigung mit Schußwaffen. Häufig besitzen diese Scharten in der Schießkammer noch Schlitze für den Einsatz eines Prellholzes. Hier wurde der Haken der „Hakenbüchsen“ benutzt, um den Rückstoß beim Schuß aufzufangen (Altdahn, Dahn, RLP).

Kreuzscharte: eine Spezialform der Schlitzscharte mit zusätzlichem vertikalem Schlitz. Wurde vor allem mit Armbrüsten benutzt. Häufig auch wegen der Symbolik verwendet.

Hier ist eine englische Kreuzscharte zu sehen, mit einer zusätzlichen Runden Scharte darunter (Raglan Castle, Wales, UK)

Ebenfalls seltener anzutreffen und ein weiterer Spezialfall: die Spatenscharte. Eigentlich eine Schlüsselscharte, jedoch mit Ausweitung nach unten und zu den Seiten. Von vorne ähnelt die Form einem Spaten, daher die Benennung (Veste Coburg, Coburg, BY).

Bei Burgen, welche zur Verteidigung mit Kanonen umgestaltet wurden, findet sich diese Schartenform recht häufig, die Maulscharte. Oft noch mit einem Tierrelief versehen, öffnet sich die Scharte im „Maul“ des jeweiligen Tieres. Hieraus wurde die jeweilige Burg mit diversen Kanonen in verschiedenen Größen verteidigt (Hardenburg, Bad Dürkheim, RLP).

Weitere Infos und viele Bilder von Schießscharten auf Aigners Burgenseite unter diesem LINK.

Von |2019-02-13T11:18:48+01:00Februar 13th, 2019|Verteidigung|0 Kommentare

Klein aber mein

Kleine und Kleinste Burganlagen

 

Ruine Schadeck (Schwalbennest) bei Neckarsteinach

Ruine Schadeck (Schwalbennest) bei Neckarsteinach/BaWü, Eigene Aufnahme

Während sich viele Touristen und Burgenbegeisterte an den größeren Anlagen zu bestimmten Zeiten stauen und gegenseitig auf die Füße treten, finden kleinere Anlagen kaum Beachtung. Ein Beispiel hierfür ist die Burg Schadeck im Neckartal bei Neckarsteinach. Nicht viele machen sich die Mühe, nach einem Besuch der 3 anderen Burgen in diesem Ort sich auch noch zu dieser kleinen Ruine aufzumachen.

Dabei hat sie alles zu bieten, was andere, größere Anlagen auch besitzen:

einen Halsgraben, eine Schildmauer in beträchtlicher Höhe, sogar eine „Pechnase“ oder Wehrerker befindet sich in einem Mauereck über dem Zugang.

Wie der Burg Schadeck ergeht es vielen „Kleinburgen“. Sie werden kaum wahrgenommen, höchstens kurz besucht und dann geht es weiter. Zugegebenermassen sind die größeren Anlagen auch weit interessanter, wenn man sich auf die baulichen Relikte beschränkt, die Geschichte der kleinen Anlagen ist aber teilweise genau so interessant, wie die größerer Anlagen. Kehren wir also zurück zur Schadeck. Die Burg wurde 1335 von Erzbischof Balduin von Trier unrechtmäßig auf dem Grund und Boden der Landschad von Steinach erbaut (nach Th. Steinmetz 2008) und der Bauplatz erst nachträglich für 400 Pfund Heller gekauft. Wie kam es nun dazu, dass ein Trierer Erzbischof am unteren Neckar Burgen baute? Balduin war damals auch Verwalter der Bistümer Mainz, Worms und Speyer, und in deren Namen erbaute er wohl diese Burg. Ziel war es, den Fluss an dieser Stelle kontrollieren zu können. Bereits 1364 sollte das Erzstift Mainz die Burg an Worms „zurückgeben“.  Es existieren 2 Urkunden des Papstes Urban V. worin der EB von Mainz (Gerlach) hierzu aufgefordert wurde. Dies scheint jedoch unterblieben zu sein, da im Jahr 1380 der EB von Mainz (Adolf) seine Zustimmung zu einer Pfandauslösung gibt. Die Schadeck wurde danach mehrfach verpfändet und kam dann doch noch an die Familie der Landschad von Steinach.

Burg Blumenstein

Burg Blumenstein bei Schönau/Pfalz, Eigene Aufnahme

Die Burg Blumenstein liegt wie ein Dornröschenschloß mitten im Grenzwald zwischen Deutschland und Frankreich. Ihre Geschichte ist auch heute noch nicht restlos aufgeklärt (Ich verweise auf meine Publikation hierzu unter DOWNLOADS).

Wer die kleine Anlage mitten im Wald erbaute, darüber kann und wird immer noch diskutiert. Fakt ist, dass 1332 sich erstmals ein Ritter nach der Anlage nennt, nämlich Anselm von Batzendorf, genannt von Blumenstein. Die Burg lag in einem bereits von anderen Parteien beanspruchten Territorium, und so konnte sich Anselm nicht lange an ihrem Besitz erfreuen. Zunächst ging die Anlage unter nicht ganz geklärten Umständen an die Herren von Fleckenstein, dann an die Herren von Dahn. 

Das Ende der Burg scheint ebenso ungeklärt wie ihr Beginn, vermutlich ließ man sie einfach verfallen. Weshalb lohnt der Besuch der Anlage?

In einer Felsenkammer findet sich eine ausgehauene Laufradgrube. Solches hat sich nicht oft erhalten. Ob dieses Laufrad einen Lastkran bediente, eine Zugbrücke senkte und hob oder etwa beides, darüber könnt ihr euch ja bei einem Besuch selbst ein Bild machen.

Weitere Kleinburgen mit Infos dazu gibt es auf Nachfrage unter KONTAKT !!

Von |2019-02-12T16:39:34+01:00Februar 11th, 2019|Burgentipps|0 Kommentare